Vorbereitung und Aufbau

Wer sich für das Hobby Meerwasser entscheidet, sollte sich vorher über Kosten und Aufwand erkundigen und ein wenig Fachwissen aneignen!

Hier möchte ich aber an dem Punkt anknüpfen, an dem das Becken inkl. kompletter Technik bei Euch zu Hause im Wohnzimmer steht.
Ob nun ein Plug & Play System oder mit Hilfe eines erfahrenen Aquarianers oder Händlers spielt keine Rolle.

Wie kommen wir nun von einem leeren Glaskasten zu einem schönen Meerwasseraquarium mit vielen bunten Tieren...?


Wasser/Salz
Für eine erste Füllung brauchen wir eine ganze Menge Wasser. Leider ist in den meisten Regionen Leitungswasser nicht wirklich geeignet. Hier wissen wir nicht, ob unser Wasser rein genug ist. Verschlechterung der Qualität durch z.B. Landwirtschaft können nicht ausgeschlossen werden.
Daher sollte wir unser Wasser vorher aufbereiten. Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten.(Mischbettfilter, Umkehrosmoseanlage, kaufen im Handel)
Eine Anschaffung lohnt sich aber hier in jedem Fall, da wir zukünftig auch das verdunstetes Wasser auffüllen müssen. Welche der Aufbereitungsmöglichkeiten wir nutzen, hängt von der Beckengröße und den damit benötigten Wassermengen und Kosten ab.


Bei synthetisch hergestelltem Meersalz sollten wir unbedingt auf Qualität achten. Verpackt in Eimern, Kartons oder Folie können wir gute Salze von namhaften Herstellern (Tropic Marin, Red Sea, Fauna Marin u.v.m.) im Handel kaufen.
Je nach Rezeptur der Hersteller müssen vorgegebene Mengen Salz in aufbereitetem Wasser gelöst werden. So erreichen wir dann eine Salinität von 35 Promille.
Dabei wird immer das Salz in das Wasser gegeben. Ob das in Eimern
oder direkt im Aquarium (nur beim Neustart) geschieht, spielt keine Rolle.



Eine weitere Möglichkeit für die erste Befüllung und auch zukünftige Wasserwechsel ist natürliches Meerwasser (z.B. von ATI).
Gerade zu Beginn ist diese Möglichkeit schnell, sauber und einfacher. Natürliches Meerwasser ist eine gute Alternative, die in anderen Ländern sehr verbreitet ist. Durch den hohen Transportaufwand müssen wir hier in Deutschland leider eine wenig tiefer in die Tasche greifen.



Dekoration 
Um einen optisch ansprechenden, natürlichen Riffaufbau zu gestallten gibt es mehrere Möglichkeiten...

Lebende Steine werden im feuchten Zustand  importiert und bieten für den Start unserer Becken eine Masse an natürlicher Mikrofauna und Bakterien. Je nach Qualität, Alter und Hälterung beim Händler (im Optimalfall mit Strömung, Licht und Abschäumung) erwarten uns Korallenreste, Algen, Kalkrotalgen oder Krabben. Aber leider auch ungewollte Tiere, die Plagegeister!
Alte und gebrauchte Steine sollten nicht genutzt werden, da eine Anreicherung mit Nährstoffen sehr wahrscheinlich ist!



Totes Gestein entsteht, wenn Lebende Steine getrocknet werden. Im Normalfall wurden diese Steine einer groben Grundreinigung unterzogen. Leider bleiben bei dieser Reinigung viele Reste von toten Tieren und Algen über. So sollte dieses Material vor der Nutzung mehrere Tage in Leitungswasser und abschließend in gereinigtem Wasser gewässert werden.
Totes Gestein hat den Vorteil, dass uns keine ungewollten Bewohner erwarten. Zusätzlich kann der Riffaufbau in aller Ruhe auf dem Wohnzimmertisch gestaltet und vermörtelt werden.



Riffkeramik bietet uns alle erdenklichen Möglichkeiten unser Riff zu gestallten. Da es künstlich hergestellt wird, können Sonderwünsche wie Riffsäulen, Rückwände, Höhlen und Verkleidungen jeglicher Art realisiert werden.
Keramik sollte ebenfalls vorher gewässert werden, um Reste von Silikat oder Phosphat zu entfernen.

Eine Mischung der verschiedenen Dekorationsmöglichkeiten ist natürlich auch möglich.
Beispiel: Lebendgestein/Totes Gestein oder Lebendgestein/Riffkeramik

Egal, welches Material nun genutzt wird...Der Riffaufbau sollte den Besatzwünschen angepasst werden.
Licht, Strömung und biologische Filterung werden von Art und Menge der Dekoration dauerhaft beeinflusst.
Ein luftiger Aufbau mit vielen Stellflächen und Höhlen gewährleistet eine gute Strömung im gesamten Becken und bietet reichlich Platz für Korallen und Fische.
Steinhaufen sollten vermieden werden, denn Gammelecken, Abschattung durch Wachstum und zuviel Oberflächen für Bakterien können uns in naher Zukunft Probleme z.B. mit zu hohen Nährstoffen bereiten.

TIPP!
Um eine Beschädigung der Bodenscheibe zu vermeiden, kann eine PVC-Hartschaumplatte oder eine Plexiglasplatte vorher aufgeklebt werden. Hierzu eignet sich Aquariumsilikon, mit dem die Platte dicht eingeklebt werden sollte. So können keine Sandkörner zwischen Glas und Platte gelangen oder sich im Laufe der Zeit Gammelstellen bilden.


Bodengrund
Welchen Bodengrund wir wählen, hängt zum einen von den Tieren ab, die wir pflegen möchten... Zum anderen spielt auch der persönliche Geschmack eine nicht unwesentliche Rolle.
Der Handel bieten Bodengrund in Körnungen von 0mm-30mm an.
Ein Nachteil des feineren Bodengrundes sind zum Beispiel die leichten Partikel, die durch Strömung oder Scheibenreinigung schnell aufgewirbelt werden können und so Kratzer verursachen oder sogar an einigen Stellen die Bodenscheibe wieder sichtbar werden lassen. (je länger das Becken steht, desto fester wird aber auch feiner Bodengrund!)
Grober Bodengrund wiederum bieten Hohlräume, in denen sich Schwebstoffe und Dreck ansammeln können und evtl. gammeln.
Eine gute und optisch ansprechende Alternative ist eine Körnung von 2mm-5mm. Hier haben wir einen gutem Kompromiss der Eigenschaften aller Körnungen.
Nach einer gründlichen Reinigung (mehrmaliges Auswaschen mit Wasser) reicht in einem Aquarium ohne besonderer Filterung (Deep Sand Bed) eine Schichtdicke von 2cm-5cm vollkommen aus.

Alternativ wird zum toten Bodengrund noch Live-Sand angeboten.
Da dieser Sand der Natur entnommen und luftdicht verpackt wird, soll es sich um ein natürliches Produkt mit vielen Bakterienstämmen und Mikrofauna handeln.
Leider gibt es im Netz sehr viele negative Berichte, in denen Anwender große Probleme mit der Biologie und Cyanobakterien bekommen haben. Daher wird von diesem Bodengrund sehr oft abgeraten.
Hier fehlt mir leider jegliche persönlich Erfahrung, um genaueres berichten zu können.

TIPP!
Der Bodengrund sollte erst nach Fertigstellung des Riffaufbaus eingebracht werden. So wird sichergestellt, dass der Aufbau fest auf der Bodenplatte steht und grabende Tiere hier keinen Schaden mehr anrichten können.


Wassertest
Am Tag der Befüllung können natürlich die meisten Wasserwerte vernachlässigt werden.
Jedoch sollte gerade bei Lebendgestein der Salzgehalt (Salinität 35Promille) und die Temperatur (ca. 25C°) stimmen.
Die Salinität kann mit einem meerwassertauglichen Refraktometer und die Dichte mit einer Spindel oder einem Refraktometer gemessen werden.
Welche Methode genutzt wird, liegt alleine bei Euch.
Einen kleinen Vorteil sehe ich bei der Salinität mit einem Refraktometer, da hier temperaturunabhängig gemessen werden kann.

Für weitere Informationen zu Tröpfchentests, Multireferenz und wichtige Parametern schaut mal hier:


Haben wir nun das ganze Chaos hinter uns und Riffaufbau plaziert, Bodengrund eingebracht und das Becken mit Wasser gefüllt, kann es losgehen.
Komplette Technik anschalten und Geduld walten lassen. Wie lange nun gewartet werden muss, bis erste Bewohner einziehen, liegt an dem von Euch gewählten System (z.B. Sangokai, Triton, normale Einlaufphase...) und der Entwicklung des Beckens und der Wasserwerte.