Strudelwürmer/Plattwürmer (Tubellarien)

Tubellarien sind platte meist kleinere Würmer, die ebenfalls je nach Art durch Lebendgestein, Korallen (auch gesundes Korallengewebe), Muscheln, Schneckenhäusern und Ableger in unsere Becken geraten.
Je nach Art kann die Größe der Tiere von mehreren Millimetern bis Zentimetern variieren.
Da es hier viele verschiedene Arten gibt, möchte ich mich auf die wohl am häufigst auftretenden Arten in unseren Aquarien beschränken.
Denn nicht alle Arten sollten als Plagegeister betitelt und bekämpft werden.


Convolutriloba retrogemma
Hier handelt es sich wohl um eine Art, die wir am häufigsten in unseren Becken finden können.
Tubellarien dieser Gattung sind leicht zu identifizieren. Die bräunlichen, 2mm - 10mm großen Würmer besitzen ein rotes Schwänzchen und sind auf allen gut beleuchteten Flächen zu finden.
Intaktes Korallengewebe wird von diesen Tubellarien nicht besiedelt.
Eine Vermehrung findet über Eiablage oder Teilung statt.
Ebenfalls scheint der Sauerstoffgehalt und der Silikatgehalt (verantworlich für Kieselalgen) des Wassers Einfluss auf die Tiere und deren Vermehrungsrate zu haben.

Damals hatte ich in meinem ersten Meerwasserbecken eine regelrechte Plage. Zudem kenne ich noch zwei weitere Aquarianer und einen Händler, die ebenfalls eine ausgedehnte Plage vorweisen konnten. ;-)

Bei uns Allen konnte dieses Problem ohne Chemie oder Medikamente gelöst werden. Durch einen ausgewogenen Fischbesatz und optimierte Wasserwerte wurde die Population radikal reduziert, sogar augenscheinlich komplett vernichtet.

Diesen Lösungsversuch fand ich damals in einem Buch von Daniel Knop "Trojaner im Meerwasseraquarium"
Hier wird der Zusammenhang zwischen Sauerstoffgehalt und Vermehrungsrate beschrieben.
Kurz gesagt....Fischarmes sauerstoffreiches Becken bietet optimale Bedingungen für diese Tiere.
Durch einen ausgewogenen Fischbesatz und dadurch resultierenden normalen Sauerstoffgehalt kann eine Massenvermehrung verhindert werden.

Ebenfalls wird im Netz und auch in vielen Büchern von Tubellarien fressenden Fischen berichtet.
Schlau kombiniert.....Könnte man nun den Fischbesatz (und damit den Sauerstoffgehalt senken) mit genau den Fischen erhöhen, denen diese Eigenschaften nachgesagt werden.
Aber eine ausgedehnte Plage durch einen dieser Fische zu besiegen ist Unsinn.

Natürlich muss auch hier wieder auf Eigenschaften und Bedürfnisse der Tiere geachtet werden.


Hier einige Beispiele:


Desweiteren lesen wir oft vom Tubellarienschreck......der Nacktschnecke (Chelidonura varians)....
Diese Schnecke ernährt sich von roten Plattwürmern und ist in den meisten Berichten an dem hier beschriebenen Plattwurm nicht wirklich interessiert. Zumindest nicht so stark, dass eine Plage beseitigt werden kann.
Zudem verhungert dieses Tier, wenn keine Plattwürmer mehr vorhanden sind!!!
Also eher die schlechtere und teurere Lösung.

Hier muss ich gestehen, dass ich diese Schnecke damals teuer gekauft habe.  Natürlich in der Hoffnung meine Plage zu besiegen......
Meine Unwissenheit wurde natürlich mit Erfolgslosigkeit und dem Tod dieses Tieres belohnt!!!! :-(


Einige Aquarianer berichten in aller letzter Konsequenz von einer Behandlung mit dem Medikament "Concurat L".
Hier ist die Vernichtung von Plattwürmern sehr wahrscheinlich...ABER leider auch der kompletten restlichen Mikrofauna des Beckens!
Die hier entstehende zusätzliche Beckenbelastung, ob nun von den abgetöteten Tubellarien oder der extremem Belastung durch das Massensterben der sonstigen Mikrofauna, kann zum Komplettausfall des gesamten Beckens oder Fischbesatzes führen.

Zu den oben genannten Maßnahmen kann man als Aquarianer zusätzlich stark betroffene Stellen regelmäßig absaugen. Da aber hier der Erfolg immer nur temporär und augenscheinlich ist, gibt es noch einen kleinen Trick möglichst viele Würmer zeitgleich abzusaugen.
Dazu wird ein helles Gefäß/Untergrund auf den Boden gestellt und bei Dunkelheit mit einer Taschenlampe oder Spot angestrahlt.
Angelockt durch das Licht sammeln sich dann gerade hier viele Tiere und können problemlos abgesaugt werden.


Acropora Strudelwurm
Acropora Strudelwürmer sind in erster Linie, wie der Name es schon sagt, an Korallen der Gattung Acroporen zu finden.
Durch ihre Größe von ca. 5mm und der weiß/bräunlichen Färbung sind diese Tiere sehr gut getarnt und für uns nur schwer zu erkennen.
Betroffene Korallen weisen meist an der licht abgewandten Seite oder auch an Verzweigungen einen Befall von Strudelwürmern auf. Diese Tiere vermehren sich dann durch Eiablagen.

Zu erkennen ist ein Befall an Gewebeschäden und schlechtem Polypenbild.

Eine gute und sinnvolle Prophylaxe gegen Acropora Strudelwürmer können Lippfische, besonders der Sechsstreifen Lippfisch sein.


Um das Risiko einer Plattwurminvasion (beider Gattungen)  zu minimieren, kann man neu gekaufte Korallen in einer Jod-Lösung baden. (Herstellung dieser Lösung ist im Netz leicht zu finden)
Auch bei stark befallenen Tieren kann diese Maßnahme hilfreich sein. (nicht alle Korallen danken uns diese Aktion!)
Alternativ gibt es aber auch einige Hersteller, die fertige Lösungen als Prophylaxe anbieten.
So wird der größte Teil der Plattwürmer abgespült. Eier und im Gewebe verborgene Tiere werden hier leider nicht immer erreicht.
Daher ist auch hier Geduld gefragt....Wie immer....;-)

Beispiel für Fertigprodukte:
Ultra Pest Control (Fauna Marin)
Flatworm Stop (Korallen-Zucht.de)



Pericelis sp. 01 (Leopardenstrudelwurm)
Leopardenstrudelwürmer konnte ich schon öfter in verschiedenen Größen in meinem Aquarium beobachten.
Dieser ca. 5-6 cm große, weiß/braun gefleckte Strudelwurm ist völlig ungefährlich und ist meistens bei Dunkelheit zu finden. Zumindest habe ich im Netz keinen Bericht gefunden, indem dieser Wurm Schäden angerichtet hat.
Die folgenden Fotos zeigen mein erwachsenes Exemplar (Foto aus meinem ersten Becken) und den Nachwuchs (im aktuellen Becken).



Strudelwürmer anderer Gattungen, die wir z.B. schon mal auf Scheibenanemonen oder LPS finden sind in der Regel harmlos und machen uns keine Probleme.




Update vom Januar 2019...
Möchte man diese Biester loswerden, wurde durch einen Zufall herausgefunden, dass ein Mittel zur Phosphatsenkung (Tropic Marin) von vielen Gattungen der Strudelwürmer nicht toleriert wird. 
Diese könnte zum Beispiel eine Möglichkeit sein, wenn man sich gegen einen größeren Fischbesatz entscheidet oder einfach ein zu kleines Becken hat.


Da ich Waminoa Würmchen auf der Euphyllia und den Ricordeas hatte, habe ich mich dazu entscheiden das Mittel zu testen.
Denn die dafür eingesetzen Lippfische finden relativ schnell heraus, dass Frostfutter leckerer ist.
Hier ist es wichtig, den PO4 Gehalt im Auge zu halten, da das Mittel ja eigentlich den PO4 senken soll.
Ebenfalls habe ich mit einer minimalen Dosierung begonnen (0,5ml auf 480L/Tag), um die Auswirkungen des Lanthan beobachten zu können.
Die Dosierung wurde dann nach ca. 1Woche (ohne erkennbare Probleme im Becken) auf 1ml auf 480L/Tag erhöht.
Nach ca. 2 Monaten konnte ich keinen einzigen Strudelwurm mehr finden. 
Auch heute, 7 Monate später, scheint es keine Strudelwürmer mehr zu geben!
Während der ganzen Zeit der Anwendung blieb mein PO4 konstant.

Hinweis: 
Bei einer großen Population der Strudelwürmer, empfiehlt es sich natürlich so viele Würmer wie möglich vorher abzusaugen, um eine evtl. Belastung durch das vermutete Gift dieser Tiere zu vermeiden. Ebenfalls macht es keine Sinn mit zu hoher Dosierung zu beginnen.
Denn auch so könnte es sein, dass zu viele Tiere zeitgleich sterben und das Wasser unnötig belasten.
Wieder durch das Gift der Tiere oder auch einfach durch das absterbende organische Material.

Ein guter Leitsatz in diesem Hobby ist: Stück für Stück zum Glück! ;-)

In diesem Beitrag habe ich meine persönlichen Erfahrungen beschrieben. Bis jetzt ist mir noch kein Becken bekannt, welches durch 
die Anwendung Schaden genommen hat. 

Also nochmal...weniger ist manchmal mehr!!!




Aber auch hier gilt....Immer erkundigen, um welches Tier es sich handelt!!!